Inhaltsverzeichnis:
- Alexander Dobrindt und öffentliche Gebäude
- Uwe Efer und Leipzigs Citytunnel
- Ausstattung und Orientierung für Bürger
- Bedrohungsszenarien und Schutzwirkung
- Bestehende Anlagen in Deutschland
- Beispiele aus der Schweiz, Finnland und Schweden
- Private Schutzräume und Baukosten
Alexander Dobrindt und öffentliche Gebäude
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte bereits im Juli, dass vor allem Mehrzweckbauten berücksichtigt werden sollen. Dazu zählen Bahnhöfe, Tunnel oder Tiefgaragen. Diese könnten im Ernstfall schnell als Zufluchtsorte dienen. Ein Neubau von Bunkern ist nicht geplant, da er zu viel Zeit beanspruchen würde. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Ralph Tiesler, betonte ebenfalls die schnelle Umrüstung bestehender Strukturen. Nach seinen Angaben könnten dadurch eine Million Schutzplätze geschaffen werden.
Uwe Efer und Leipzigs Citytunnel
In Mitteldeutschland werden derzeit mögliche Objekte geprüft. Uwe Efer, Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz in Leipzig, nannte den Citytunnel als Beispiel. Auch Tiefgaragen oder Keller könnten hergerichtet werden. Thüringens Innenminister verwies auf die Tiefe vieler Garagen, die im Ernstfall genutzt werden könnten. Er zog einen Vergleich zur Stadt Kiew, wo U-Bahnstationen als Schutzräume dienen. Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang betonte dagegen, dass es in den östlichen Bundesländern aktuell keine öffentlichen Schutzräume gibt.
Ausstattung und Orientierung für Bürger
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz arbeitet an Kriterien für die Auswahl geeigneter Gebäude. Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger per Handy den nächstgelegenen Schutzraum finden. Geplant ist eine Integration in Warnapps und Kartendienste. Zur Ausstattung sollen einfache, mobile Systeme gehören wie Feldbetten, sanitäre Anlagen sowie Vorräte an Wasser und Lebensmitteln. Ab 2026 sind Pilotprojekte vorgesehen, um den tatsächlichen Bedarf in Notlagen zu ermitteln.
- Feldbetten für den Aufenthalt
- Mobile Toiletten
- Trinkwasserreserven
- Lebensmittel für mehrere Stunden
Bedrohungsszenarien und Schutzwirkung
Die Bundesregierung verweist auf den Krieg in der Ukraine als Hauptgrund für die neuen Überlegungen. Besonders gefährdet sind kritische Infrastrukturen sowie angrenzende Wohngebiete. Schutzräume sollen daher nicht nur bei Angriffen, sondern auch bei Naturkatastrophen oder Pandemien Schutz bieten. Im Kalten Krieg mussten Räume vor Trümmern, Strahlung, Bränden sowie chemischen und biologischen Stoffen schützen. Dazu waren Luftfilteranlagen und verstärkte Wände notwendig. In der Schweiz verfügen Schutzräume zusätzlich über Explosionsventile, Gasfilter und Notausgänge.
Bestehende Anlagen in Deutschland
Momentan gibt es keinen aktiven öffentlichen Schutzraum. Allerdings existieren noch 579 alte Anlagen. Sie könnten theoretisch 478.000 Menschen aufnehmen. Alle sind jedoch sanierungsbedürftig und befinden sich nicht in Ostdeutschland. In der alten Bundesrepublik gab es einst rund 2.000 Schutzräume, die 2007 aufgegeben wurden. In der DDR vorhandene Anlagen wurden nach der Wiedervereinigung nicht in das bundesweite Konzept übernommen.
Beispiele aus der Schweiz, Finnland und Schweden
Andere Länder haben ihre Netze besser erhalten.
- Schweiz: Rund 370.000 Schutzräume für 8,9 Millionen Menschen.
- Finnland: Über 54.000 Schutzräume mit 4,4 Millionen Plätzen, Abdeckung etwa 80 Prozent.
- Schweden: 64.000 Schutzräume für 7 Millionen Menschen.
Diese Beispiele zeigen, dass Schutzräume in Mitteleuropa nicht einheitlich organisiert sind. In vielen NATO-Staaten wurden Bunker nach dem Kalten Krieg aufgegeben.
Private Schutzräume und Baukosten
Auch Privatpersonen können Schutzräume bauen lassen. Spezialisierte Firmen bieten Anlagen ab 40.000 Euro an, wenn sie beim Hausbau eingeplant werden. Nachträgliche Einbauten kosten mindestens 80.000 Euro. Die Nachfrage stieg nach Beginn des Krieges in der Ukraine deutlich. Dennoch bleibt es eine Nische. In Mitteldeutschland ist bislang kein einziger privater Schutzraum bekannt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz will Empfehlungen veröffentlichen, wie einfache Kellerräume zu schutzbietenden Orten ausgebaut werden können.
Deutschland steht damit vor der Herausforderung, in kurzer Zeit ein neues System von Schutzräumen aufzubauen. Bestehende Gebäude sollen dabei möglichst effizient umgerüstet werden, um die Bevölkerung bei Krisen zu schützen.
Quelle: MDR